Nein zu sagen ist eine der schwierigsten, aber gleichzeitig wichtigsten Fähigkeiten, um persönliche Grenzen zu setzen. Vielen löst es Angst, Schuldgefühle oder die Furcht vor dem Verlust von Anerkennung aus. Ständiges Ja-Sagen führt jedoch zu Burnout, Reizbarkeit und einem Verlust des Selbstwertgefühls. Nein zu sagen ist keine Aggression, sondern ein Akt des Respekts vor den eigenen Ressourcen.
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Das Schuldgefühl nach einem Nein hat oft seine Wurzeln in der Kindheit: Wurde ein Kind für Ungehorsam gescholten oder als „egoistisch“ beschämt, lernt es, dass seine Bedürfnisse weniger wichtig sind als die Erwartungen anderer. Im Erwachsenenalter äußert sich diese Denkweise in automatischer Zustimmung, selbst wenn man eigentlich Nein sagen möchte.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen: Sie müssen nicht jede Ihrer Entscheidungen rechtfertigen. „Nein“ ist ein vollständiger Satz. Er bedarf keiner langen Erklärungen, Rechtfertigungen oder Entschädigungen. Je mehr du erklärst, desto mehr erweckst du den Eindruck, deine Absage sei irgendwie falsch.
Übung macht den Meister. Sag Nein zu einer kleinen Bitte: „Danke, aber ich kann dir heute leider nicht helfen.“ Du wirst sehen, die Welt geht nicht unter. Mit der Zeit wirst du verstehen: Die meisten Menschen schätzen Ehrlichkeit, selbst wenn sie verärgert sind. Und wer aggressiv reagiert, ist es wahrscheinlich gewohnt, deine Hilfsbereitschaft auszunutzen.
Es ist hilfreich, sich vorher ein paar Formulierungsmuster zurechtzulegen: „Ich muss darüber nachdenken“, „Das hat im Moment keine Priorität“, „Ich weiß deine Anfrage zu schätzen, aber ich kann sie leider nicht annehmen.“ Solche Formulierungen sind freundlich, aber klar. Sie nehmen den Druck und geben dir Zeit, das Problem zu lösen.
