Autor

Judith Heidrich

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Der Winter in der Schweiz ist nicht nur Ski- und Snowboardzeit, sondern auch die perfekte Zeit für entspannende und inspirierende Wanderungen. Hunderte Kilometer präparierte Wanderwege, speziell für den Winter vorbereitet, durchziehen das Land. Diese sogenannten Winterwanderwege führen durch verschneite Wälder, entlang zugefrorener Seen und vorbei an gemütlichen Dörfern mit rauchenden Schornsteinen.

Besonders beliebt sind diese Wege im Engadin (Graubünden), im Jura und in den Walliser Skigebieten. Die Wanderung von St. Moritz zum Silser See beispielsweise ist weniger als 5 km lang, bietet aber auf Schritt und Tritt traumhafte Ausblicke. Die Luft ist kristallklar, der Schnee knirscht unter den Füßen, und ringsum herrscht Stille, die nur vom Zwitschern der Vögel oder dem Läuten der Kuhglocken einer Bergkuh unterbrochen wird.

Diese Wanderungen sind für alle geeignet: Außer warmer Kleidung und wasserfesten Schuhen ist keine besondere Ausrüstung erforderlich. Viele Routen bieten Schneeschuhverleih an, der die Wanderung zu einem echten Abenteuer macht – besonders im Tiefschnee abseits der Wege.

Winterwandern ist nicht nur Sport, sondern auch eine Form der Meditation. Anders als in geschäftigen Skigebieten kann man hier zur Ruhe kommen, abschalten und sein inneres Gleichgewicht wiederfinden. Die Schweizer nennen dies Langsamkeit – die Kunst des Entschleunigens, die in unserer hektischen Zeit besonders wertvoll ist.

Viele Routen enden an traditionellen Chalets oder Almhütten, wo man sich mit heißem Tee, Schokolade oder sogar Fondue aufwärmen kann. So wird die Wanderung nicht nur zu einem körperlichen, sondern auch zu einem kulinarischen Genuss.

Für Familien mit Kindern gibt es kurze, sichere Wege mit Spielplätzen – zum Beispiel in Arosa oder Lenzerheide. Kinder können rodeln und Schneemänner bauen, während die Eltern die Aussicht genießen.

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Schweizer Winterdesserts stehen für Gemütlichkeit, Gewürze und die Wärme des Kamins. Das bekannteste ist der Christstollen, ein Weihnachtskuchen, der ursprünglich aus Deutschland stammt, aber an den Schweizer Geschmack angepasst wurde. Er wird aus Hefeteig mit Rosinen, kandierten Früchten und Mandelblättchen hergestellt, mit Kardamom und Vanille verfeinert und mit Puderzucker bestäubt, der den Schnee symbolisiert.

In der deutschsprachigen Schweiz ist Apfelstrudel beliebt – ein Apfelstrudel mit Zimt, Rosinen und Walnüssen, umhüllt von dünnem Blätterteig. Er wird warm mit Vanilleeis oder Schlagsahne serviert. Die Zubereitung erfolgt in Handarbeit, wobei der Teig so lange gedehnt wird, bis er durchscheinend ist – eine Kunst, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

In der römischen Schweiz sind Mousses au chocolat – luftige Schokoladenmousses, oft mit Kirschwasser – besonders beliebt. Im Tessin, einem italienischen Kanton, backt man Panettone, ein süßes Brot mit kandierten Früchten und Rosinen, das traditionell zum Frühstück mit heißer Schokolade serviert wird.

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Im Winter liegt in der Schweiz der Duft von Zimt, Nelken und Zitrusfrüchten in der Luft – Glühweinzeit! Auf den Weihnachtsmärkten von Zürich, Bern und Genf wird er in Keramikbechern mit Jahressymbolen serviert. Schweizer Glühwein unterscheidet sich jedoch vom deutschen: Er wird häufiger mit Weißwein zubereitet, insbesondere in der Romanik.

Das Rezept ist einfach: Weißwein (meist Fendant oder Chasselas), Orangenscheiben, eine Zimtstange, Nelken, Ingwer und etwas Honig oder Zucker. Wichtig ist, den Wein nur leicht zu erwärmen, nicht zu kochen, damit sein Aroma erhalten bleibt. In den deutschsprachigen Kantonen wird manchmal Kirschwasser oder Rum hinzugefügt.

Neben Glühwein sind auch alkoholfreie Getränke beliebt. Kinderpunsch ist eine Fruchtbowle für Kinder, zubereitet mit Apfelsaft, Himbeeren, Zitrone und Gewürzen. Er wird warm mit einer Apfelscheibe serviert.

In den Bergregionen trinken die Schweizer im Winter gerne Zottelbier – warmes Bier mit Honig und Zimt – oder Vin Chaud (Glühwein) aus Rotwein, vor allem im Wallis und in Genf.

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Zürcher Kalbfleisch (Zürcher Geschnetzeltes) ist ein exquisites Gericht, das die Zartheit des Fleisches, das Aroma von Champignons und die Reichhaltigkeit einer cremigen Sauce vereint. Obwohl es ursprünglich aus Zürich stammt, wird es heute in der ganzen Schweiz serviert, besonders im Winter, wenn man sich nach etwas Herzhaftem, aber nicht Schwerem sehnt.

Das Gericht wird aus dünn geschnittenem Kalbfleisch zubereitet, das kurz in Butter mit Zwiebeln und Champignons angebraten wird. Anschließend werden Weißwein, Brühe und Sahne hinzugefügt, und die Sauce köchelt einige Minuten, bis sie eingedickt ist. Die wichtigste Zutat ist Cognac oder Kirschwasser, das der Sauce Tiefe und eine feine Säure verleiht.

Traditionell wird es mit Rösti serviert – frittierten Kartoffelpuffern, die außen knusprig und innen weich sind. Dieses Duo ist ein Klassiker der Schweizer Küche: zartes Fleisch und knusprige Kartoffeln, Sahne und Zwiebeln, Wein und Kräuter.

Interessanterweise entstand das Gericht ursprünglich, um Fleischreste zu verwerten. Im 19. Jahrhundert schnitten Zürcher Restaurantköche Kalbsabschnitte in dünne Streifen – „geschnetzeltes“ bedeutet wörtlich „in Streifen geschnitten“. Mit der Zeit entwickelte es sich zu einer Delikatesse.

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Wenn Fondue die Seele der französischsprachigen Schweiz ist, so ist Raclette der Stolz der deutschsprachigen Kantone, insbesondere des Wallis. Dieses Gericht hat seinen Ursprung bei den Hirten, die einen halbkreisförmigen Käse über dem Feuer erhitzten und die geschmolzene Oberfläche mit einem Messer direkt auf Kartoffeln, Zwiebeln und Essiggurken strichen. Das Wort „Raclette“ stammt vom französischen „racler“ (schaben), was den Vorgang treffend beschreibt.

Heute ist Raclette nicht nur ein Gericht, sondern auch ein geselliges Ereignis. Jeder Gast erhält einen Mini-Grill mit einem eigenen Teller. Kartoffeln, Schinken und Champignons werden auf dem Grill zubereitet, während eine dünne Käsescheibe in speziellen Schlitzen daneben schmilzt. Sobald der Käse geschmolzen ist, wird er auf den Tellerrand gestrichen. Es ist ein interaktives Abendessen, das Menschen zusammenbringt und unterhält.

Die Basis des Gerichts bildet Raclettekäse (Raclette du Valais AOP), eine geschützte geografische Angabe. Es reift mindestens drei Monate, hat ein nussiges Aroma und schmilzt perfekt, ohne sich zu trennen. Fälschungen aus anderen Ländern enthalten oft Palmöl, während echtes Schweizer Raclette ausschließlich aus Kuhmilch von Alpenweiden hergestellt wird.

Raclette ist besonders im Winter beliebt: Es wird in Skihütten, bei Familien und sogar auf Weihnachtsmärkten serviert. Nach einem Tag auf der Piste gibt es nichts Besseres als heißen Käse mit Salzkartoffeln und Essigzwiebeln. Dieses Gericht sättigt, gibt neue Energie und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit.

Im Gegensatz zu Fondue ist Raclette unkomplizierter: Man muss nicht ständig am Topf stehen oder die Konsistenz überwachen. Jeder kann sich sein Essen selbst zusammenstellen, was es ideal für Familien mit Kindern oder größere Gruppen macht.

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Fondue ist mehr als nur ein Gericht; es ist ein Symbol des Schweizer Winters, seiner Gastfreundschaft und Gemütlichkeit. Der Name stammt vom französischen Verb „fondre“ (schmelzen), was das Wesen treffend beschreibt: geschmolzener Käse, in den Brotscheiben getunkt werden. Obwohl Fondue heute mit der ganzen Schweiz in Verbindung gebracht wird, liegen seine Ursprünge in den westlichen, französischsprachigen Kantonen, insbesondere im Wallis und in Freiburg, wo es viele Milchviehbetriebe und eine lange Käsetradition gibt.

Traditionelles Fondue wird mit einer Käsemischung zubereitet, am häufigsten mit Gruyère und Emmentaler. In Freiburg ist eine Variante besonders beliebt, die ausschließlich mit Vacherin Fribourgeois zubereitet wird – einem weichen, aromatischen Käse mit einer dezenten Säure. Weißwein (meist aus der Region, wie zum Beispiel Fendant aus dem Wallis), Knoblauch, Maisstärke zum Stabilisieren und eine Prise Muskatnuss werden hinzugefügt. Echtes Fondue enthält keinen Kirsch – dieser wird separat als Digestif serviert.

Das Servieren ist ein rituelles Ritual. Fondue wird in einem Keramik- oder Gusseisentopf, dem sogenannten Caquelon, zubereitet, der direkt auf dem Tisch über einem Spiritusbrenner steht. Die Gäste sitzen darum herum, spießen mit langen Gabeln Würfel von Weißbrot (vorzugsweise vom Vortag, da dieses fester ist) auf und tunken sie in den Käse. Es heißt, wenn ein Brotlaib in den Topf fällt, muss der Übeltäter alle auf Wein oder Schokolade einladen – ein kleiner Scherz, der die Runde zusammenschweißt.

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Toxische Beziehungen – ob mit Partnern, Eltern, Freunden oder Kollegen – zerstören systematisch persönliche Grenzen. Man gewöhnt sich daran, dass das eigene „Nein“ ignoriert, die Gefühle abgewertet und die eigenen Entscheidungen missachtet werden. Nach dem Ende einer solchen Beziehung entsteht ein Gefühl der Leere oder Verwirrung: Es fällt schwer, zwischen „mir“ und „dem anderen“ zu unterscheiden.

Das Neusetzen von Grenzen ist ein Prozess, der der Traumatherapie ähnelt. Der erste Schritt ist die Erkenntnis: „Meine Grenzen wurden verletzt, und es ist nicht meine Schuld.“ Oft geben sich Opfer von Manipulation selbst die Schuld: „Ich habe das zugelassen.“ Doch es ist wichtig zu verstehen: Derjenige, der die Grenzen verletzt hat, trägt die Schuld, nicht derjenige, der vertraut hat.

Fangen Sie klein an: Nehmen Sie Ihre Entscheidungen im Alltag wieder in die Hand. Was essen Sie? Wann gehen Sie ins Bett? Wen laden Sie ins Haus ein? Diese scheinbar unbedeutenden Entscheidungen geben Ihnen das Gefühl der Selbstbestimmung zurück – „Ich habe mein Leben selbst in der Hand.“

Umgib dich mit Menschen, die deine Grenzen respektieren. Schon kurze, aber sichere Begegnungen helfen, dein Denken zu verändern: Die Welt ist nicht immer gefährlich, und nicht jeder will dich ausnutzen.

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Viele Menschen glauben fälschlicherweise, Intimität bedeute vollständiges Verschmelzen: Gedanken, Gefühle und Pläne zu teilen. Wahre Intimität ist jedoch nur zwischen zwei eigenständigen Individuen möglich, die ihre Individualität bewahren. Grenzen in einer Partnerschaft sind keine Mauer, sondern eine transparente Membran, die Verbundenheit ermöglicht, ohne dass sich die Beziehung auflöst.

Probleme entstehen, wenn einer oder beide Partner ihre Grenzen verlieren: Sie vernachlässigen ihre Hobbys, unterdrücken Meinungen, um Konflikte zu vermeiden, oder kontrollieren das Handeln des Partners „aus Liebe“. Diese „Intimität“ ist eine Illusion; in Wirklichkeit ist sie Abhängigkeit.

Gesunde Beziehungen beinhalten:

– das Recht auf persönlichen Freiraum (Zeit für sich allein, mit Freunden, für Hobbys),

– das Recht auf unterschiedliche Meinungen,

– das Recht, in intimen Beziehungen „Nein“ zu sagen,

– das Recht auf emotionale Autonomie.

Grenzen in einer Partnerschaft werden durch Dialog gesetzt. Es ist wichtig, nicht nur die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren, sondern auch die Grenzen des Partners zu respektieren. Wenn beispielsweise eine Person Umarmungen in der Öffentlichkeit ablehnt und die andere darauf besteht, ist das eine Grenzüberschreitung.

Konflikte sind unvermeidlich – und das ist normal. Sie werden jedoch destruktiv, wenn eine Person versucht, die andere zu verändern oder ihr „Egoismus“ vorwirft. Ein reifes Paar sieht Grenzen nicht als Bedrohung, sondern als Chance, einander besser zu verstehen.

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Emotionale Grenzen bedeuten, unterscheiden zu können, wessen Gefühle und Probleme wem gehören. Viele Menschen, insbesondere empathische oder in einer „Retterrolle“ erzogene, übernehmen automatisch die Verantwortung für den emotionalen Zustand anderer: Partner, Eltern, Freunde. Das führt zu Erschöpfung, Schuldgefühlen und dem Gefühl, „alles von mir abhängig zu sein“.

Eine gesunde emotionale Grenze klingt so: „Ich fühle mit dir, aber das ist dein Schmerz, deine Reaktion, deine Entscheidung.“ Das ist keine Gleichgültigkeit, sondern die Anerkennung der Autonomie des anderen. Du kannst unterstützen, zuhören, Hilfe anbieten – aber du bist nicht verpflichtet, die Gefühle eines anderen zu „reparieren“.

Verletzungen solcher Grenzen kommen besonders häufig in Beziehungen mit ängstlichen, depressiven oder manipulativen Menschen vor. Sie sagen vielleicht: „Du bist schuld an meiner schlechten Laune“ oder „Wenn du doch nur …“. Solche Sätze signalisieren, dass eine Grenze überschritten wurde und Sie zu einer emotionalen Stütze geworden sind.

Um Grenzen wiederherzustellen, beginnen Sie mit einem inneren Dialog. Fragen Sie sich: „Sind das meine Gefühle oder spiegele ich die Gefühle einer anderen Person wider?“ Wenn Sie sich in der Gegenwart einer ruhigen Person ängstlich fühlen, ist das Ihre eigene Angst. Sind Sie aber nur in der Nähe einer ängstlichen Person angespannt, übernehmen Sie deren Zustand.

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Nein zu sagen ist eine der schwierigsten, aber gleichzeitig wichtigsten Fähigkeiten, um persönliche Grenzen zu setzen. Vielen löst es Angst, Schuldgefühle oder die Furcht vor dem Verlust von Anerkennung aus. Ständiges Ja-Sagen führt jedoch zu Burnout, Reizbarkeit und einem Verlust des Selbstwertgefühls. Nein zu sagen ist keine Aggression, sondern ein Akt des Respekts vor den eigenen Ressourcen.

Das Schuldgefühl nach einem Nein hat oft seine Wurzeln in der Kindheit: Wurde ein Kind für Ungehorsam gescholten oder als „egoistisch“ beschämt, lernt es, dass seine Bedürfnisse weniger wichtig sind als die Erwartungen anderer. Im Erwachsenenalter äußert sich diese Denkweise in automatischer Zustimmung, selbst wenn man eigentlich Nein sagen möchte.

Es ist jedoch wichtig zu verstehen: Sie müssen nicht jede Ihrer Entscheidungen rechtfertigen. „Nein“ ist ein vollständiger Satz. Er bedarf keiner langen Erklärungen, Rechtfertigungen oder Entschädigungen. Je mehr du erklärst, desto mehr erweckst du den Eindruck, deine Absage sei irgendwie falsch.

Übung macht den Meister. Sag Nein zu einer kleinen Bitte: „Danke, aber ich kann dir heute leider nicht helfen.“ Du wirst sehen, die Welt geht nicht unter. Mit der Zeit wirst du verstehen: Die meisten Menschen schätzen Ehrlichkeit, selbst wenn sie verärgert sind. Und wer aggressiv reagiert, ist es wahrscheinlich gewohnt, deine Hilfsbereitschaft auszunutzen.

Es ist hilfreich, sich vorher ein paar Formulierungsmuster zurechtzulegen: „Ich muss darüber nachdenken“, „Das hat im Moment keine Priorität“, „Ich weiß deine Anfrage zu schätzen, aber ich kann sie leider nicht annehmen.“ Solche Formulierungen sind freundlich, aber klar. Sie nehmen den Druck und geben dir Zeit, das Problem zu lösen.

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